Bund der Jugendfarmen und Aktivspielplätze e.V. Logo

Unsere Projektziele

Kinder und Jugendliche mit Beeinträchtigung sollen mit Hilfe des Projekts gleichberechtigt in den offenen Platzbetrieb aufgenommen werden. Das bedeutet, dass sie sich hier – wie alle anderen Kinder und Jugendlichen auch – möglichst selbstständig und selbstbestimmt bewegen können. Gemeinsam mit den Projektbeteiligten ist zu überlegen, wie bauliche und strukturelle Barrieren erkannt und abgebaut werden. Das Projekt soll ein bewusstes Wahrnehmen und eine daraus resultierende inklusive Denkweise aller Beteiligten anstoßen. Diese Ziele entsprechen den Forderungen der UN-Behindertenrechtskonvention, die Deutschland im Jahre 2009 - mit der Verpflichtung zur Umsetzung von Inklusion - unterzeichnet hat.

Kinder und Jugendliche sollen durch das Öffnet internen Link im aktuellen FensterModellprojekt ermutigt werden, die pädagogisch betreuten Spielplätze zu besuchen. (Vgl. UN-BRK 2015: Art. 30) Die Partizipation, Teilhabe und freie Meinungsäußerung aller Kinder und Jugendlichen ist hierbei ein wichtiger Gesichtspunkt. Die Fachkraft vor Ort sollte dafür alters- und behindertengerechte Hilfe anbieten. (Vgl. ebd.: Art. 7)

Der Abbau von strukturellen, institutionellen und baulichen Barrieren steht im Vordergrund des Projekts. Durch gezielte Workshops und Fortbildungen sollen zuerst die Barrieren in den Köpfen der Fachkräfte vor Ort abgebaut werden. Nur durch eine inklusive Haltung wird es unserer Meinung nach möglich sein, inklusiv mit Kindern und Jugendlichen zu arbeiten. Ebenso wollen wir mit den am Projekt beteiligten Personen überlegen, wie man bauliche und strukturelle Barrieren abbauen kann. Hier sind unsere Einrichtungen sehr kreativ.
Ein weiterer wichtiger Schritt wird auch sein, beispielsweise spezifische kinder- und jugendfarmtypische Piktogramme zusammen mit den Teilnehmer*innen zu entwickeln, um eine leichtere Orientierung in den Einrichtungen zu schaffen.

Das Auslösen einer Bewusstseinsschärfung und Förderung einer inklusiven Gesellschaft ist ebenso ein großes Ziel des Projekts. Dazu ist es notwendig, dass junge Menschen und auch ihre Eltern, sowie alle beteiligten Mitarbeiter*innen der Einrichtungen, etwa bestehende Vorurteile ablegen und beeinträchtigten Kindern und Jugendlichen respektvoll und vorurteilsfrei begegnen. (Vgl. ebd.: Art. 8)

Je nach Einrichtung sind die Aktivitäten unterschiedlich, jedoch stellt die Grundlage aller das gleichberechtigte, achtsame und verantwortungsvolle Miteinander im gegenseitigen Umgang dar, insbesondere mit Kindern und Jugendlichen, mit Tieren und der Natur. Die jungen Menschen mit und ohne Beeinträchtigung werden sich damit auf den pädagogisch betreuten Plätzen begegnen und miteinander spielen, was für die wechselseitige Entwicklung elementar ist. (Vgl. ebd.: Art. 30)

Wir erhoffen uns, auch indirekten Einfluss auf die Angehörigen der Kinder und Jugendlichen ohne Beeinträchtigung nehmen zu können. Das geschieht, indem sie - durch ihre Kinder - andere Kinder und Jugendlichen mit Beeinträchtigung als gleichberechtigte Mitmenschen der Gesellschaft wahrnehmen und behandeln. Ziel ist, dass die Projektbeteiligten die Kinder und Jugendlichen mit Beeinträchtigung in einem anderen Licht sehen (lernen), was dazu beiträgt, ein bewusstes Wahrnehmen und dadurch eine inklusive Denkweise anzustoßen.

Am 26.03.2009 ist das Öffnet externen Link in neuem Fenster„Übereinkommen der Vereinten Nationen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen“ (kurz: UN-Behindertenrechtskonvention oder BRK) als erster universeller Völkerrechtsvertrag, der auf die Situation behinderter Menschen zugeschnitten ist, in Kraft getreten. Das moderne Verständnis der Teilhabe an der Gemeinschaft und einer unabhängigen Lebensführung von behinderten Menschen ist bei der BRK noch umfassender als bis dato beschrieben und gefordert worden und fand aufgrunddessen internationales Gehör. Die Vereinten Nationen bestehen aus 193 Ländern weltweit und sie alle haben die Vereinbarung unterschrieben. (Vgl. UN-BRK 2015)

Die UN-Behindertenrechtskonvention unterscheidet zwischen Beeinträchtigung und Behinderung. Beeinträchtigt sind Menschen durch geistige, körperliche oder psychische Störungen, behindert jedoch werden sie durch gesellschaftliche Barrieren, negative Stereotypen und fehlende Unterstützung. Für das Verständnis von Behinderung gemäß der Konvention ist diese Differenzierung essentiell. (Vgl. ebd.) Außerdem zeigt die BRK auf, wie das Recht auf Teilhabe von Menschen Behinderung in verschiedensten Bereichen des Lebens umgesetzt und die Inklusion gefördert werden kann.

Im Gegenteil zur „Integration“, die geprägt ist von der Eingliederung von außenstehenden Personen in bestehende Strukturen, verstehen inklusive Ansätze den Einbezug von Bestehendem, um die Gesellschaft für die Vielfalt zu öffnen. (Vgl. Di-Ji 2013) Die Behindertenrechtskonvention zielt damit auf eine Präzisierung der allgemeinen Menschenrechte ab. Folglich geht es nicht um exklusive Rechte für behinderte Menschen, sondern um eine Konkretisierung der speziellen Bedürfnisse, Lebensumstände und Gefährdungen denen Menschen mit Behinderung ausgesetzt sind. In diesen Zielen stecken Unrechtserfahrungen, mit denen jeder behinderte Mensch in der Gesellschaft zu kämpfen hat, denn soziale Ausgrenzung, systematische Entrechtung und Geringschätzung sind Teil ihres Alltags. Aufgrund dieser Erfahrungen wurde ein Grundsatz der Konvention entwickelt, der die volle und gleichberechtigte gesellschaftliche Inklusion fordert. Hierzu gehören die Barrierefreiheit, Chancengleichheit und die Anerkennung der Behinderung ohne negative Bewertungsschemata der betroffenen Menschen in der Gesellschaft. (Vgl. Graumann 2011)

 

Literaturhinweise:

DI-JI (2013):
Die UN-Behindertenrechtskonvention. Online unter: Öffnet externen Link in neuem Fensterhttp://www.di-ji.de/index.php?option=com_content&view=article&id=183%3Aun-konvention&catid=82%3Aunkonvention&Itemid=99&lang=de&showall=1
(zuletzt aufgerufen am 24.10.2016).

GRAUMANN, Sigrid (2011):
ASSISTIERTE FREIHEIT. Von einer Behindertenpolitik der Wohltätigkeit zu einer Politik der Menschenrechte. Frankfurt/New York: Campus Verlag.

UN-BRK (2015):
Die UN-Behindertenrechtskonvention. Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen. Online unter: Öffnet externen Link in neuem Fensterhttp://www.behindertenbeauftragte.de/DE/Koordinierungsstelle/UNKonvention/UNKonvention_node.html
(zuletzt aufgerufen am 19.04.2017).