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ZUR SOFORTIGEN VERÖFFENTLICHUNG
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Bundesministerium für Verbraucherschutz
Ernährung und Landwirtschaft
Frau Ministerin Künast
Postfach 14 02 70
53107 Bonn
Maul- und Klauenseuche
Impfung für Tiere auf pädagogisch betreuten Spielplätzen
Sehr geehrte Frau Ministerin Künast,
wir wenden uns heute an Sie mit der Bitte, Tiere, die auf Jugendfarmen, Stadtteilfarmen, Kinderbauernhöfen und ähnlichen Einrichtungen leben, gegen die Maul- und Klauenseuche impfen zu dürfen. Jugendfarmen sind als pädagogisch betreute Spielplätze anerkannter Träger der Jugendhilfe. Ein Teil der pädagogischen Arbeit ist der Bereich Tierhaltung, vorwiegend Ponies, Schafe, Ziegen, und Kleintiere wie Hasen, Enten, Gänse, Hühner. Wir legen Ihnen verschiedenes Informationsmaterial über die Arbeit dieser Einrichtungen bei.
In der Zeitung "Die Woche" war kürzlich zu lesen, dass es längst klar ist, aus welchem Erregerstamm der Virus kommt und dass es auch genügend Impfstoff dafür gibt. Dass es im übrigen durchaus auch Verfahren gibt, geimpfte Tiere von kranken zu unterscheiden, weil geimpfte Tiere nur auf spezifische Eiweiße Antikörper bilden. (Die gleich Zeitung berichtete noch eine Woche zuvor, dass es wegen der ca. 60 verschiedenen Stämme praktisch unmöglich sei zu impfen). Insofern hat sich sogar der wirtschaftspolitische Aspekt relativiert.
Sperrbezirke und Beobachtungsbezirke, welche eingeschränkte Transporte und Besuche auf den Höfen vorsehen, werden bei MKS in der Regel in einem Umkreis von ca. 10 km um einen "verseuchten Hof" gelegt. Insofern ist es nicht einzusehen, warum überall in Deutschland die Kinderbauernhöfe Jugendfarmen, Stadtteilfarmen usw. geschlossen werden sollten. Sinnvoller wäre es, eben solche Einrichtungen für die ja der Export gar keine Rolle spielt sofort durch Schutzimpfungen abzusichern, insbesondere natürlich die, die auch gefährdete Haustierrassen halten (und da gibt es von Thüringer Waldziege über das Schwäbisch-Hallische Landschwein bis zum Kärtner Brillenschaf einige in unseren Einrichtungen). In Zoos wurde dies bereits ja schon gemacht. Das betrifft übrigens natürlich auch die Bio-Betriebe, die ja in der Regel einen regionalen Markt bedienen. Zum Glück sind die dort gehaltenen Tiere in der Regel auch robuster und weniger krankheitsanfällig als die hochgezüchteten und industriell gehaltenen Sorten.
Es ist zu hoffen, dass das Impfverbot bald fällt. Ob solche Impfungen flächendeckend sein müssen sei dahingestellt. Die Betriebe, die überwiegend auf Export in die USA ausgerichtet sind werden sich sicher dagegen wehren, solange dort ein rigides Importverbot auch für geimpfte "Verdachtstiere" aufrecht erhalten wird. Letztendlich geht es nicht um pauschale Lösungen. Der Transportwahnsinn wird sich wohl erst dann legen, wenn einerseits die politischen und wirtschaftlichen Kosten für solche Vernichtungsfeldzüge so hoch sind, andererseits die regionale Vermarktung von artgerecht gehaltenen Tieren tragfähig wird. Slow food ( www.slowfood.de ) macht ja schon seit ein paar Jahren verstärkt Werbung für eine Verknüpfung von Genuss-Kultur und Ökologischer bzw. regionaler Agrar-Kultur. Eine solche Strategie halten wir für mittel- bis langfristig am erfolgversprechendsten.
Gestatten Sie mir eine letzte Bemerkung zur Funktion der Tiere in unseren Einrichtungen. Im Gegensatz zu Urlaubs- oder Schulbauernhöfen, bei denen Tiere überwiegend zur Anschauung oder als "Kulisse" genutzt werden, bauen die Kinder und Nachbarn in unseren Einrichtungen, die die Plätze fast täglich besuchen, ein sehr intensives Verhältnis zu den Tieren auf. Tiere dienen hier auch als wichtiges soziales Medium, die gemeinsame Pflege der Tiere ist ein wichtiger Bestandteil der (sozial-)pädagogischen Arbeit, was denjenigen, die sich eine Haltung nur zu Schlachtzwecken vorstellen können, kaum verständlich sein wird.
Den Kindern und Nachbarn diese Kontakte zu entziehen, das ist, als würde man Familienmitglieder aus der gemeinsamen Wohnung verstoßen, weil ein entfernter Verwandter gerade Lungenentzündung hat. Vielleicht sind wir deswegen auch weniger schnell für drastische Isolationsmaßnahmen zu haben - von Massenschlachtungen ganz zu schweigen.
Was die letzten Wochen vor allem gezeigt
haben ist, dass das herkömmliche Krisenmanagement auf die harte
Tour ziemlich versagt hat und dass viel zu viele Menschen viel zu
wenig über die Landwirtschaft wissen. Jugendfarmen sind auch in
der Lage ein anderes Bewusstsein des Umgangs und der Haltung von
Tieren und gesunder Ernährung zu fördern. Dies tun sie seit
vielen Jahren und leisten dabei einen wichtigen
Aufklärungsbeitrag. Zusammen mit einigen europäischen
Partnerverbänden haben wir ein Projekt zur gesunden Ernährung
von Kindern Good Food
durchgeführt. Die Dokumentation dazu legen wir diesem Schreiben
bei.
Wir haben in der letzten Woche ein Rundschreiben an alle uns
angeschlossenen Einrichtungen verschickt wir legen Ihnen
dieses Schreiben als Anlage bei.
In der Hoffnung auf eine positive Antwort
verbleiben wir
mit freundlichen Grüßen
Hans-Jörg Lange
Geschäftsführer
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Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an:
Bund der Jugendfarmen und Aktivspielplätze e.V.
Haldenwies 14, 70567 Stuttgart
Tel: ++497116872302
FAX: ++497116788569
Internet: bdja@bdja.org
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